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Frühlingsdialog 2019

Ist Ihr Unternehmen interessant für Fachkräfte?

Chancen der Kinderbetreuung für Unternehmen des Landkreises

Für die Mitglieder und geladenen Gäste des Verbundes Wirtschaft + Familie e.V. stand beim traditionellen Frühlingsdialog im Quaet-Faslem-Haus die betriebliche Kinderbetreuung im Mittelpunkt. Neben eines Vortrags von Claudia Brandt von der pme Familienservice GmbH in Hannover hatte der Verbund zur Podiumsdiskussion eingeladen. Hier ergänzten die regionalen Akteure die Vortragsreferentin. Für den Landkreis Nienburg nahmen Horst Barthel, Fachbereichsleiter Jugend, und Annika Friedel, Fachdienst frühkindliche Bildung, teil. Vervollständigt wurde die Runde der Podiumsmitglieder von Ulrike Röhrs, als Geschäftsleiterin des Vereins zur Pflege e.V. aus dem Nachbarlandkreis Heidekreis konnte sie aus der Praxis einer betrieblichen Kindertagespflege berichten.

Sich von anderen Arbeitgebern abheben und das nicht nur durch hohe Löhne, sondern durch Familienfreundlichkeit, machte Johanna Beckurts-Othmar als Vorstandsmitglied des Verbundes Wirtschaft + Familie e.V. in der Begrüßung deutlich. „Für 90 Prozent der 25- bis 39-jährigen Beschäftigen sei Familienfreundlichkeit ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als das Gehalt“ attestierte die Geschäftsführerin der NIKU GmbH. Zudem kehren die Frauen heute früher in die Arbeitswelt zurück und junge Väter wünschen sich mehr Familienzeit. Diese Situation erfordert zunehmend mehr Flexibilität von Arbeitgebenden und Unterstützungsmöglichkeiten beim Thema Kinderbetreuung. Den gestiegenen Bedarf unterstrich auch der CDU Bundestagsabgeordnete Maik Beermann in seinem anschließenden Grußwort. An die Zuhörer*innen richtete Beermann den klaren Appell, es sei zu vermeiden, dass gut ausgebildete Fachkräfte dem Arbeitsmarkt aufgrund von mangelnder Vereinbarkeit nicht zur Verfügung stünden . Er verhandelte als Mitglied im sogenannten Familienausschuss das „Gute-Kita-Gesetz“. Dabei hätte er die Beitragsfreiheit weniger gern im Fokus gesehen und resümierte: „Ein Platz den es nicht gibt, kann auch nicht beitragsfrei werden“. Von den insgesamt 5,5 Milliarden Euro Unterstützung des Bundes für die Kinderbetreuung soll das Bundesland Niedersachsen 526 Millionen Euro bis 2022 erhalten. Geplant ist die Verbesserung der Betreuungsqualität. Es bleibt abzuwarten wie die Gelder konkret in den einzelnen Kommunen verwendet werden. In dem folgenden Impulsvortrag „Moderne Möglichkeiten der betrieblichen Kinderbetreuung“ grenzte Claudia Brandt die Regelbetreuung von der punktuellen und flexiblen Betreuung ab. Dabei sei die betriebliche Kinderbetreuung die bekannteste, so die stellv. Standortleiterin der pme Familienservice GmbH. Allerdings nicht die einzige und es bedarf einer genauen Betrachtung der betrieblichen Situation. Vielmehr machte Brandt deutlich, auch Unterstützungsmöglichkeiten wie eine Ferienbetreuung für schulpflichtige Kinder oder Notfallbetreuung bei Streik und Krankheitswellen zu bedenken. Auch für kleinere Unternehmen besteht die Chance im Verbund mit anderen Arbeitgebenden gemeinsam über Angebote nachzudenken. Eine über 25 prozentige Steigerung der Arbeitgeber*innenattraktivität zeigen auf, dass es sich lohnt Angebote zu entwickeln, wenn es um die Qualität bei Bewerbungen für wichtige Stellen in Unternehmen mit einer familienbewussten Personalstrategie geht. Konkret wurde Brandt als es unter dem Agendapunkt „vom Plan zur Wirklichkeit“ um die Handlungsschritte für eine betriebliche Kinderbetreuung ging. Wie eine Umsetzung in der Praxis aussieht wurde von Ulrike Röhrs vom Verein zur Pflege e.V. im Rahmen der Podiumsdiskussion dargestellt. „Wir waren gezwungen auf den Fachkräftemangel in der Pflege im ländlichen Raum zu reagieren und neue Wege zu gehen“, so die Antwort auf die Frage der Moderatorin, was der Initialauslöser für eine betriebliche Kinderbetreuung gewesen sei. Durch das eigene Kinderbetreuungsangebot können die betrieblichen Erfordernisse wie zum Beispiel die Betreuung der Dialysepatienten ab 5:30 Uhr sichergestellt werden. Ebenfalls werden schulpflichtige Kinder vor dem Schulstart betreut und pünktlich mit dem privaten Kleinbus von Mitarbeitenden zur Schule gebracht. Neben einer Leiterin der Kindertagespflege wurden noch zwei weitere Mitarbeiterinnen für die Kinderbetreuung qualifiziert. Allerdings machte Röhrs auch deutlich, dass die Finanzierung eine Herausforderung ist. Sie erhält vom Landkreis 4,10 Euro pro Kind und Betreuungsstunde und bräuchte zur Deckung der Kosten mindestens 2 Euro mehr. Auf der anderen Seite wird sie von examinierten Pflegekräften proaktiv nach einem Arbeitsplatz und der Kinderbetreuungsmöglichkeit angesprochen. Dieses mache die Vorteile einer eigenen Betreuungslösung deutlich, so die Geschäftsstellenleiterin. Bei dem Blick in die eigene Region konnten Horst Barthel und Annika Friedel vom Landkreis Nienburg die Fragen der Gäste und der Moderatorin beantworten. Wobei Barthel keinen Hehl aus der derzeitigen Defizitären Betreuungsquote der unter Dreijährigen machte. Der Bedarf läge bei bis zu 90 Prozent und der erwartete lag bei 35 Prozent, so der Fachbereichsleiter. „Ja wir haben Defizite und arbeiten an der Verbesserung der Situation“, damit verwies Barthel unter anderem auf das Vorhaben in der Verdener Straße in Nienburg, wo Betreuungsplätze in naher Zukunft entstehen. Zudem nutzte er die Möglichkeit ein Appell an die Unternehmer*innen zu richten und forderte zum Austausch zwischen Verwaltung und Arbeitgebenden auf, um Bedarfe besser abbilden zu können. Dieser Aufruf wurde von einigen Gästen des Frühlingsdialogs bei einer Stärkung am Büfett im Nachgang der Podiumsdiskussion intensiv genutzt. Zuvor schloss Kersten Prasuhn als Vorstandsmitglied mit einem Resümee und dem Hinweis: Denken sie vernetzt und werden sie aktiv, denn die Frage sei nicht ob, sondern was sie ihren Mitarbeitenden anbieten. Mit dieser Aufforderung schloss er den Frühlingsdialog 2019 und lud zum Unternehmer*innen Frühstück des Verbundes Wirtschaft + Familie e.V. am 20.06. ein. Hier soll ein Austausch zwischen Interessierten Arbeitgebenden vertieft werden und für diejenigen, welche nicht am Frühlingdialog teilnehmen konnten eine Informationsmöglichkeit gegeben werden

Anmeldung Unternehmer*innen Frühstück


   

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